Konzept

BASTA!

Feministische Gewaltprävention und Empowerment

Basta! Wahrscheinlich kennst du das:

  • du wirst im Bus angestarrt
  • dein Sitznachbar in der Bahn nimmt mit seinem manspreading, mit seiner breitbeinigen Sitzhaltung deinen Raum ein 
  • anzügliche Kommentare im Vorbeigehen auf der Straße
  • sexistische Witze von Kollegen
  • vermeintlich zufällige Berührungen an der Schulter oder am Po. 

BASTA steht für die Entschlossenheit, die in den Kursen gestärkt wird, dies nicht länger zu dulden. Mit BASTA lernst du entschlossen und selbstbewusst für dich einzustehen. Der Blitz symbolisiert diese Entschlossenheit.

Die Kurse von BASTA verbinden Methoden der ganzheitlichen Gewaltpräventionskonzepte "Jede kann sich wehren" und Wendo. 

"Jede kann sich wehren"

Die Frauenrechtsaktivistin und Taekwondo-Großmeisterin Sunny Graff gab seit den 1970'er Jahren Selbstverteidigungskurse dfür Frauen in den USA und entwickelte in den 1980er Jahren in Deutschland das feministische Gewaltpräventionskonzept "Jede Frau und jedes Mädchen kann sich wehren". 

Wendo 

Es gibt zwei Auslegungen der wortwörtlichen Bedeutung von Wende. Einer Auslegung nach steht Wendo für WomEN DO it, Frauen tun es, Frauen wehren sich. Laut einer weiteren heißt Wendo "Weg der Frau", als Zusammensetzung aus dem englischen Wort women und do, dem japanischen Wort für Weg). Auch dieses feministsche Gewaltpräventionskonzept, das seinen Ursprung in Kanada und den USA hat, wird seit den 1980'er Jahren in Deutschland angewandt und theaterpädagogische Ansätze umfässt.

Beide Konzepte der geschlechtsspezifischen Gewaltprävention verfolgen das Ziel, Frauen und Mädchen in ihrer Selbstsicherheit und Handlungsfähigkeit zu stärken und somit Gewalt vorzubeugen. Schutz vor Gewalt beginnt mit Empowerment, mit Prävention.

Dies geschieht auf drei Ebenen:

1. Körper

Durch Atemübungen und den bewussten Einsatz von Körpersprache, Blick, Stimme und einfachen körperlichen Techniken der Selbstverteidigung und Befreiung schulen wir unseren Körper.

2. Wahrnehmung

Durch Wahrnehmungsübungen stärken wir uns darin, für uns zu wissen, was wir wollen, wo unsere Grenzen verlaufen, um verbale oder körperliche Grenzüberschreitungen frühzeitig zu erkennen und sie somit besser stoppen zu können. Wir setzen uns auch damit auseinander, was wir in Momenten von alltäglichen Respektlosigkeiten und in Bedrohungsszenarien spüren, und wie wir damit umgehen. Auch die Selbstfürsorge und die Inanspruchsnahme solidarischer Unterstützungsangebote haben hier ihren Platz. 

3. Wissen

Bestandteil der Kurse ist das Auseinandersetzen mit der Frage, was patriarchale Gewalt ist, welche Formen sie annehmen kann und welche Dynamiken sie freisetzt. Wissen über patriarchale Gewaltmuster und Täterstrategien hilft uns, sie zu durchbrechen und uns zu schützen. Kritisch setzen wir uns mit ansozialisierten Verhaltensmustern auseinander, mit den gesellschaftlichen Machtverhältnissen und den zahlreichen Diskriminierungsformen, wie Sexismus, Rassismus, Klassismus. Wir reflektieren unsere eigene Sozialisierung und auch unsere mögliche Rollen als Täterinnen - so wie wir Respekt vor unseren Grenzen einfordern, müssen wir auch die anderer erkennen und respektieren und an uns arbeiten, Vorurteile ablegen, um nicht selbst zu diskriminieren.

Zentral für die Kurse von BASTA sind:

Empowerment als Grundprinzip: Stärken der Frauen stärken. Ansetzend an den Fähigkeiten der einzelnen Teilnehmerinnen werden die eigenen Handlungsmöglichkeiten erweitert und gestärkt.

Selbstbehauptung: Die Kurse fördern die Selbstbehauptung der Teilnehmerinnen, indem wir gemeinsam üben, die eigenen persönlichen Grenzen für sich selbst zu erkennen, sie klar aufzuzeigen und beharrlich zu verteidigen. Dabei kommen die Stimme, der Blick und die Körpersprache zum Einsatz. Dies erfolgt u.a. spielerisch mit Rollenspielen, in denen das Behaupten in Alltagssituationen geübt wird.

Selbstverteidigung: Erlernt werden auch einfache körperliche Selbstverteidigungstechniken, die alle, ganz unabhängig von ihren Fähigkeiten, anwenden können. Die Techniken sind einfach, effektiv und leicht zu merken und können an jede Teilnehmerin angepasst werden.

Prävention im Alltag: Die Kurse schulen das frühzeitige Erkennen von Grenzverletzungen und den Umgang mit unangenehmen Situationen und somit zur Vorbeugung von Gewalt. Übungen der verbalen Selbstbehauptung schützen vor der Sprachlosigkeit, die uns oft bei Respektlosigkeiten und Herabwürdigungen trifft.

Machtkritisch und feministisch: Im Patriarchat ist geschlechtsspezifische Gewalt nicht ein Problem einzelner Personen, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, das wir angehen können. Kaum einer Frau oder einer queeren Person ist patriarchale Gewalt noch nicht begegnet. Kritisch thematisieren die Kurse von BASTA die Machtverhältnisse im Patriarchat und brechen anerzogene Rollenbilder auf. Die Verantwortung für Gewalt wird in den Kursen eindeutig den Täterinnen und Tätern zugeschrieben.

Traumasensibles und ressourcenorientiertes Arbeiten: Es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit in den Kursen und die Teilnehmerinnen entscheiden selbst, welche Übungen sie mitmachen möchten. Eigene Erfahrungen werden respektiert, ohne dass persönliche Gewalterlebnisse thematisiert werden müssen. Freiwilligkeit und Wertschätzung stehen im Vordergrund. 

Praxisorientiert: Die Kurse üben das Behaupten in Alltagssituationen, z.B. wenn der Lehrer immer wieder ohne Anklopfen in die Umkleide platzt, wenn der Chef scheinbar beiläufig seine Hand auf deine Schulter legt, wenn der Onkel dich immer wieder mit dem falschen Pronomen anspricht, wenn dich der Betreuer in der Wohngruppe beleidigt oder wenn der Sporttrainer im Verein dir ungebeten private Nachrichten auf dein Handy schickt. Die Übungen sind auf den jeweiligen Alltag der Teilnehmerinnen übertragbar. Auch die eigene herausfordernde Situationen der Teilnehmerinnen können auf Wunsch eingebracht werden, um gemeinsam Handlungsstrategien zu entwickeln und einzuüben.

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